Kinderheim St. Nikolaus

Die schrecklichen Fernsehbilder aus rumänischen Kinderheimen von vor über 27 Jahren sind heute noch vielen Menschen in Erinnerung geblieben: Kinder im eigenen Kot liegend, der Kamera die Ärmchen entgegenstreckend, halb verhungert! Staatliche Kinderheime mit einer Sterblichkeitsrate von 60 bis 80 Prozent im Winter.

Mitarbeiter aus dem Bereich Auslandshilfe der Caritas im Bistum Essen und ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben dies leibhaftig erlebt, gesehen – und auch gerochen! Diese Erfahrungen bildeten die Grundlage für die Motivation hier tätig werden zu wollen.

In den ersten Monaten des Jahres 1990 wurden große Mengen an Material nach Rumänien gebracht, um die Kinderheime besser auszustatten. Sehr schnell wuchs aber die Erkenntnis, dass dies nicht ausreichen würde. Vielmehr sollte auch das Personal auf Grundlage eines christlichen Menschenbildes qualifiziert werden. So entstand in Temesvar eine „Fachschule für Heim- und Heilpädagogik“, die bis 2011 erfolgreich gearbeitet hat.

Es entstand aber auch sehr schnell die Überlegung, ein sogenanntes Modellkinderheim zu eröffnen. Dadurch sollte den Verantwortlichen bei den staatlichen Stellen und den großen staatlichen Kinderheimen gezeigt werden, dass Heime keine anonymen Verwahranstalten mit riesigen Schlafsälen sein müssen.

1990 wurde diese Idee geboren – aber in Rumänien geht alles nicht so schnell!

Nach einigem Suchen fanden wir ein großes, leerstehendes Pfarrhaus in Neu Petsch, ca. 30km westlich von Temesvar.

Pfarrhaus in Neu-Petsch heute

Zu diesem Pfarrhaus wurden im Dorf noch drei freistehende kleine Bauernhäuser preiswert er-worben, um deren Nutzfläche für den Obst- und Gemüseanbau zu verwenden und weitere Familiengruppen dort unterzubringen.

So konnten mit Hilfe der Landesregierung Nordrhein-Westfalen die ersten drei Häuser komplett renoviert, umgebaut und mit gebrauchten Möbeln aus Einrichtungen des Bistums Essen eingerichtet werden. Im Jahr 1995 konnten erstmalig dreißig Kinder aus staatlichen Heimen herausgeholt werden und hier eine neue Heimat finden.

Das Zweite Haus – „Müllerhaus“ genannt, in dem Die Betreuung armer Kinder aus dem Dorf und die „Altenspeisung“ stattfindet

Das „Dritte Haus“ heute

1995 konnte aus privaten Mitteln das sogenannte 4. Haus dazu gekauft werden, so dass wir die Zahl auf vierzig Kinder erhöhen konnten. So lebten immer 6 – 10 Kinder, gemeinsam mit einem rumänischen Ehepaar, einer Erzieherin, sowie Hilfskräften unter familiären Bedingungen.

Das „vierte Haus“ im aktuellen Zustand

Die „Hütte“ in den westlichen Kaparten, beliebter Ort der Erholung

Ende der 90er Jahre wurde das Kinderheim durch eine Schenkung Besitzer einer Berghütte in einer reizvollen Landschaft in den Karpaten. In den folgenden Jahren ist daraus ein wunderschönes Feriendomizil für die Kinder geworden.

Alle Häuser haben einen großen Garten, der bewirtschaftet wird – auch von den Kindern. Die meisten Häuser hatten oder haben, auch in Mitverantwortung der Kinder, eine Kleintierhaltung dabei. So kann die Selbstversorgung abgesichert werden.

Die „gute Mutter“ in dieser ganzen Geschichte ist Maria Maas, ehemalige Fachberaterin für Kinderheime im Bistum Essen. Sie lebte seit 1991 über 13 Jahre in Rumänien und hatte die die Idee zu diesem Modellkinderheim. Sie  hat dafür  gesorgt,  dass  aus  diesen Häusern wirklich Heimat für die Kinder wurde. Trotz ihres biblischen Alters erfreut sie sich jetzt noch ganz guter Gesundheit und ist nach wie vor aus der Ferne und manchmal auch vor Ort noch fest eingebunden in das Geschehen.

Gartenarbeit hinter dem Pfarrhaus. Hier Erdbeerernte, im Hintergrund die von den Rotariern gespendeten Gewächshäuser

Finanziert wird der laufende Unterhalt der Häuser durch regelmäßige Spenden von vielen Initiativen, Pfarrgemeinden, Einzelpersonen, die immer wieder Aktionen durchführen, um Geld für den Unterhalt dieses Heimes zu sammeln. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der von der FFC-Stiftung in Essen gegründete Förder-Verein „Für Kinder in Not – Rumänienhilfe“, dessen Mitglieder unermüdlich sammeln und uns bei vielen Sonderausgaben und auch den laufenden Kosten geholfen haben und auch zukünftig helfen werden. Das ist der „Westdeutsche Teil“ der Hilfen, die vor allem im Bistum Essen und drumherum erbracht werden.

Aber es gibt ja noch eine „Süddeutsche Quelle der Spenden“, um die Benediktiner-Schwester Itta van Berkum und Ihren Bruder „Jupp“, mittlerweile ein Urbayer mit rheinischen Wurzeln. Diese beiden haben einen Spendenverein gegründet, der jeweils die Häfte der rund 13.000.- Euro erbrachte, die monatlich als laufende Kosten anfallen. Nicht gerechnet Sonderausgaben für Reparaturen, Instandhaltung usw.

Der rumänische Staat finanzierte bis 2015 pro Kind rund 30,- Euro im Monat, was natürlich viel zu wenig war. Seit 2015 zahlt er rund 140,- Euro pro Kind und Monat. In Deutschland liegen die Sätze zwischen 3.000,- und 5.000,- Euro monatlich pro Kind.

Im Jahr 2000 konnte zusätzlich zum Kinderheim eine Art Tageseinrichtung (Kinderhort) eröffnet werden. Diese liegt auch mitten im Dorf, und arme Kinder aus Neu Petsch, können hier ihre Freizeit verbringen, Mahlzeiten, Schulaufgabenhilfe und oft auch Bekleidung bekommen. 15 -20 Kinder kommen täglich hierhin. Ein wichtiger Beitrag in einem Dorf, in dem seinerzeit 70 Prozent Arbeitslosigkeit herrschten. Zusätzlich gibt es eine Mittagspeisung für ältere, arme Mitbürger. Für diese etwa 20 Personen ist es oft die einzige Mahlzeit am Tag. Im Winter bleiben sie länger, um sich aufzuwärmen. Einige bekommen durch Nachbarn und Schulkindern auch warmes Essen nach Hause geliefert.

Mittagstisch für die Kinder aus dem Dorf (wegen unterschiedlicher Unterrichtszeiten wird „versetzt“ gegessen)

Hinzugekommen ist seit über 10 Jahren eine Suppenküche für arme ältere Einwohner von Neupetsch, sehr gefragt und gut angenommen

Das Jugendwohnheim in der Grossstadt Temesvar, ca. 25 Kilometer vom Dorf entfernt

Ein weiteres in Temesvar gehört seit einigen Jahren auch dazu, eine Art Wohnheim für Studierende und Auszubildende.

Hinzu kommen neue Initiativen und Projekte, die Hoffnung machen. So konnte dank der Rotarier in Temesvar und Duisburg im Rahmen eines internationalen Projektes eine kleine Gärtnerei eingerichtet werden, die auf Dauer zur finanziellen Entspannung beitragen kann.

Am 2. Haus gibt es seit Jahren einen Kunstrasenplatz, gespendet vom italienischen Elektrokonzern ENEL. Dieser Platz wurde wenig genutzt, jetzt versuchen wir, ihn zu vermieten, um weitere Einnahmen zu erzielen.

So geht es also immer weiter mit neuen Ideen, mit Versuchen, dieses Heim zukunftssicher zu machen, zum Wohle der Kinder.

Der gespendete Sportplatz hinter dem 2. Haus

Aktueller Stand

  • Zurzeit wachsen 22 Waisen und Sozialwaisen in unseren drei Kinderhäusern in fröhlicher, familiärer Atmosphäre auf.
  • In unserer Tagesstätte und in unserer Suppenküche erhalten 20 bis 30 Kinder aus ärmsten Familien und 20 -30 alte alleinstehende Menschen täglich warme Mahlzeiten und immer wieder Not lindernde und Hoffnung stiftende Hilfen.
  • In unserem Jugend- und Jungarbeiterwohnheim in Temesvar sind acht junge Menschen froh über wirtschaftliche Hilfen und sozialpädagogische Begleitung auf ihrem Weg in die Verselbstständigung.

Über fast alle Kinder, die in unserem Heim leben, könnten wir lange schicksalsvolle Geschichten schreiben. Sie stammen aus der ärmsten Bevölkerungsschicht, meist aus zerbrochenen Familien. Sie kommen mit Behinderungen oder mit seelischen Traumata behaftet zu uns. Sie alle brauchen Menschen, durch deren Tun Hoffnung, Zuversicht und Vertrauen gestärkt werden, damit sie ihren Weg ins Leben weitergehen können.

Mehr als 100 Kinder sind in den letzten 25 Jahren hier groß geworden, fanden Schutz und Hilfe, bekamen Erziehung und Förderung, Liebe und Vertrauen. Fast alle haben eine Ausbildung abgeschlossen, sind in der Lage, ihr Geld selbst zu verdienen. Dies verdanken wir vor allen Dingen dem Heimleiter-Ehepaar Annie und Radu Miron, den Erziehern und Erzieherinnen, die aber leider in der letzten Zeit aus finanziellen Gründen oft wechseln.

Von der „1. Generation“ der Kinder leben 17 im Ausland. 13 in Deutschland, alle bei Trier, der Rest in England, Italien, Luxemburg. Alle sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Einer ist inzwischen Chefkoch in einem Restaurant in Trier, ein Paar hat sich ein Haus gekauft bei Trier.

Im Moment haben wir noch ca. 23 Kinder im Heim, davon sechs Kinder unter sechs Jahren. Diese Kinder kamen aus besonders schwierigen Verhältnissen.

Einige Beispiele:

Claudia, 6 Jahre

Sie wurde mit ihrem Bruder Damian in der Toilette des Hauptbahnhofs von Temesvar gefunden, als sie drei Monate alt war und der Bruder ein Jahr war. Die Mutter hat beide dort ausgesetzt und lebt als Prostituierte.

Roberta, 6 Jahre

Ihre Mutter hat sie bei der Großmutter gelassen unter schlechtesten Bedienungen. Roberta hat keine Geburtsurkunde, ihre Geburt ist nirgendwo registriert. Auf dem Papier existiert Sie nicht.

Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen wollen:

Unser Spendenkonto

Bank im Bistum Essen
DE45 3606 0295 0000 1026 28

Patrick, 5 Jahre

Patrik ist 5 Jahre alt. Seine Mutter hat ihn bei der Großmutter gelassen und ist verschwunden. Sie lebt als Prostituierte in England. Als er 3 Jahre alt war, konnte er noch nicht sprechen. Er aß zu Beginn seiner Unterbringung im Kinderheim nur Brot.