Caritas-Flüchtlingshilfe ist an neuen Standort gezogen

Der Verein der Caritas ist aus dem Ostviertel nach Steele ins Gemeindeheim von St. Laurentius gezogen. Dringend gesucht werden Ehrenamtliche.

Nach ihrem Umzug aus dem Ostviertel nach Steele finden die Angebote der Caritas-Flüchtlingshilfe jetzt im Gemeindezentrum von St. Laurentius statt. Dort bieten die Helfer Sprachkurse, Erzählcafé und Beratung an. Für letzteres Angebot suchen sie dringend weitere ehrenamtliche Mitstreiter.

Rund 300 Menschen steuern nun jede Woche den Graffweg 9 an. Darunter sind neben zahlreichen Flüchtlingen auch irakische und syrische Dolmetscher, rund 20 weitere Ehrenamtliche und die beiden Hauptamtlichen, die zu der Anlaufstelle gehören. Dass die nun in guter Lage unweit der S-Bahn neue, passende Räume gefunden hat, ist einem Kneipenbesuch von Vereinsvorstand Rudi Löffelsend (67) zu verdanken. Der Steeler traf dort auf den Pfarrer der Gemeinde, sie kamen ins Gespräch. „Dann lief alles sehr unkompliziert“, sagt Rudi Löffelsend, der auch Angebote aus Altenessen, Altendorf oder Frohnhausen für den Verein hatte. Der musste das Ostviertel verlassen, da das Gelände der dortigen Gemeinde St. Barbara an einen Investor verkauft worden ist.

 

2014 wurde die Caritas-Flüchtlingshilfe gegründet

2014 wurde die Caritas-Flüchtlingshilfe gegründet, die selbst Mitglied beim Essener Caritasverband ist. Mit dem noch jungen Verein führt Rudi Löffelsend ehrenamtlich fort, was der studierte Sozialpädagoge bis 2010 hauptamtlich bei der Caritas tat: Flüchtlingen helfen. Vor rund 40 Jahren kam er vom Niederrhein ins Ruhrgebiet („Gladbach-Fan bin ich immer noch“). Von hier aus führten ihn seitdem zahllose Reisen vor allem nach Polen und in fast alle osteuropäischen Länder. In den 1990er Jahren waren das besonders die Gebiete Ex-Jugoslawiens, später Sri Lanka nach dem Tsunami, Jordanien und der Irak, als dort noch Saddam Hussein wütete, erzählt er.

„Besonders am Herzen liegt mir das Kinderheim in Rumänien, das 1992 mit Hilfe der damaligen Landesregierung gebaut worden ist.“ Weitere Hilfsprojekte bestehen im Irak und in Bosnien. Diese Auslandshilfe fortzuführen, war das ursprüngliche Ziel, als die Caritas-Flüchtlingshilfe ins Leben gerufen wurde. Und dann, sagt Rudi Löffelsend, „hatten wir fast ein bisschen hellseherische Fähigkeiten“. Als die vielen Flüchtlinge 2015 kamen, standen sie bereit. „Wir wollten niemandem Arbeit wegnehmen, sondern uns in Feldern anbieten, wo Bedarf bestand“, sagt er, der bei all diesen Aufgaben von seinem großen Wissen über Menschen und Kulturen wie von seiner Erfahrung bei den Pfadfindern und den jahrelangen Kontakten profitiert.

Die Helfer sind nun Ansprechpartner für Flüchtlinge bei Anliegen mit Formularen, Behörden, Jobcenter oder Schuldnerberatung. Sie bieten Gespräche im Erzählcafé an, damit die Menschen die neue Sprache anwenden können. Die lernen sie etwa bei Thorsten Smitkowski (36), der mit einer Kollegin als Hauptamtlicher im Einsatz ist. Für ihre Arbeit haben sie vier Beratungszimmer, einen großen Raum für den Unterricht. Nebenan in der katholischen öffentlichen Bücherei sollen Sofas fürs Erzählcafé aufgestellt werden. Künftig könnten sie sich Patenschaften für Flüchtlinge vorstellen.

 

1000 Familien mit Möbeln versorgt

Aufgegeben hat die Flüchtlingshilfe ihr Möbellager, aus dem sie rund 1000 Familien beim Einzug in eigene Wohnungen versorgt hat. Diese Entscheidung sei jedoch unabhängig vom Standortwechsel gefallen, sagt Löffelsend. Mit dem Wegfall des Lagers, das allein finanziell schwer tragbar gewesen sei, hätten nun einige Flüchtlinge allerdings ihre Beschäftigung verloren. Und so bemüht er sich, ihnen zu einer neuen Tagesstruktur zu verhelfen.

Rudi Löffelsend selbst hat kürzlich den Traum vom Traktor aufgegeben, nachdem er mit einem Bekannten einen Porsche hat restaurieren lassen, den sie auf einem rumänischen Feld fanden. Der ist verkauft, für den Traktorclub blieb keine Zeit, er hat aber noch die Modellautos, sagt der 67-Jährige schmunzelnd, der gerade aus Rumänien zurück ist, im Oktober wieder in den Irak fliegt – und zwischen den Reisen in Steele hilft.